Einführung

Die schwarzen Fruchtkörper der Nebenfruchtform des Schieferschillerporlings oder "Chaga" (Tschaga), die auf verschiedenen Birkenarten auftreten, wurden außerhalb Osteuropas lange Zeit nicht beachtet. Auch seit einige nJahren dringt dieser auch bei Uns heimische, heilkräftige Pilz mehr und mehr ins Bewusstsein der Menschen. Vermutlich sind nicht wenige bereits achtlos an dem vorzugsweise an Birken wachsendem Pilz vorbeigegangen, ohne ihn zu bemerken.            
Er erscheint in Form unscheinbar schwarzer, knolliger, bröckeliger Auswüchse, die sich mehr oder weniger deutlich von der Schwarz-Weiß-Zeichnung seines Wirtsbaumes abheben. Er gehört zu den Pilzen, bei denen die imperfekte Nebenfruchtform (Anamorphe) leichter sichtbar ist und deswegen häufiger wahrgenommen wird als die namengebende Hauptfruchtform (Teleomorphe).
Die Beschreibungen im vorliegenden Text beziehen sich überwiegend auf diese Nebenfruchtform an der Birke. Diese wird heute auch gern mit ihrem russischem Name als "Chaga" bezeichnet. An Stellen, an denen die Hauptfruchtform gemeint ist, wird dies explizit beschrieben. Rein wissenschaftlich betrachtet, handelt es sich in beiden Fällen um den Schiefer Schillerporling (Inonotus obliquus).

Medizinische Verwendung

Der legendäre Chaga-Pilz wird in Sibirien seit Jahrhnderten zur Behandlung auch schwerer Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes verwendet. Des Weiteren ist er als Stärkungsmittel bekannt, dient der Blutreinigung und wurde auch bei Tuberkulose und Herzleiden eingesetzt. Diese überlieferten Anwendungsgebiete gaben den Anlaß zu seiner wissenschaftlichen Untersuchung in Rußland, die in den 1930er Jahren begann. Seit Jahrhunderten ist er selbstversändlich Bestandteil der russischen Medizin. Aber auch in anderen Ländern kannte man seine Heilwirkung. So weist die Übersetzung des norwegischen Pilznamens "kreftkjuke" - "Krebsporling" ebenfalls auf seinen diesbezüglichen Einsatz bei Krebserkrankung hin. Seit einigen Jahren wird der "Chaga" auch in Japan und China untersucht. Beispielsweise zeigten die Arbeiten von Youn et al. (2009) und Yong et al. (2011) dessen krebshemmende Wirkung. Einen ausführlichen Überblick zu diesem Einsatzgebiet bietet auch das Review von Song et al. (2013)
Der Chaga ist ein exzellentes Mittel zur Behandlung aller Erkrankungen des Verdauungssystems, Hierzu zählen Geschwüre und Entzündungen von Magen (Gastritis), Zwölffingerdarm (Gastroduodenitis), Dünndarm, Dickdarm und Mastdarm (Colitis ulcerosa). Er eignet sich ferner zur Behandlung von Polypen im Magen und Darm. Diese Veränderung der Schleimhaut der Verdauungsorgane sind in der Bevölkerung weit verbreitet und überwiegend gutartig. Etwa 10% aller Menschen in Indusdrienationen entwickeln im Laufe ihres Lebens Darmpolypen.
Die Häufigkeit nimmt mit höherem Alter zu. In Asien und Afrika kommen sie selten vor, was neben der genetischen Veranlagung auch einen wichtigen Einfluß der Ernährung nahelegt. Da sie im Verlauf vieler Jahre entarten können, gelten sie heute nach einhelliger Meinung der Ärzte als Vorstufen von Darmkrebs.
und werden bei Darmspiegelungen vorbeugend entfernt. Die sanierende Wirkung  des Verdauungssystems macht man sich auch bei der Behandlung von allergischen Hauterkrankungen (Ekzeme, Schuppenflechte usw.) zunutze. Ein gesunder Darm mit einer stabilen Darmflora spielt eine maßgebliche Rolle für unsere Immunregulation. Der Darm ist die größte Austauschfläche des Menschen mit seiner Umwelt. Mittlerweile erhärten sich die Hinweise, dass Störungen im Verdauungssystem vielfach ursächlich für Hauterkrankungen sind. Eine gestörte Darmflora kann zur gestörten Aufnahme von Nährstoffen und zur vermehrten Bildung von giftigen Fäulnisprodukten führen. Die Immunologische Barrierefunktion des Darms gegenüber der Außenwelt ist geschwächt und es kommt vermehrt zur fehlerhaften Abwehrreaktion auf Nahrungsmittel. 
Die Komplementärmedizin hat für diesen Zustand einer gestörten Barrierefunktion des Darms den Begriff "Leaky gut - engl : undichter Darm " eingeführt. Sie proklamiert, dass eine derartige Störung an einer Vielzahl von Erkrankungen, wie Rheuma, Multiple Sklerose u.v.a. mit beteiligt ist. Die Erklärung nach denen viele Erkrankungen ihre Ursache in einer gestörten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut haben könnten, klingt durchaus plausibel.
Da aber bis heute der wissenschaftliche Nachweis des Syndroms selbst und auch der Zusammenhang mit den nach Meinung der komplementärmedizin dadurch mitverursachten Erkrankungen nicht erbracht ist oder bisher nicht erbracht werden konnte, steht die Schulmedizin dem ganzen kritisch gegenüber.
Die Verwendung des Pilzes stärkt die allgemeine Infektionsabwehr und wirkt immunmodulierend (Shashkina et al. 2006, Ko et al. 2011). Außerdem regt der Pilz den Stoffwechsel an. Er stillt den Hunger, vertreibt Müdigkeit und erhöht Leistungsfähigkeit. Da er außerdem immunstimmulierend wirkt, wird er auch zur Behandlung des chronischen Müdigkeitssyndroms (CFS) eingesetzt. Die Ursache dieser Erkrankung ist immer noch nicht restlos aufgeklärt, allerdings erhärten sich die Hinweise von chronisch viralen Infekten. Erste wissenschaftliche Hinweise zur antiviralen Wirkung des Pilzes lieferten Kahlos et al. (1996), sie verwendeten Extrakte aus der schwarzen äußeren Schicht des Pilzes und konnte fast 100%ige Hemmwirkung auf das Influenzavirus (grippe) Typ A und B nachweisen. Shibney et al.(2011) konnte an Zellkulturen eine deutliche Hemmwirkung des wässrigen Pilzextraktes gegenüber Hepatitis-C- Viren zeigen. Bei entzündlichen Erkrankungen im Hals & Rachenraum, kann mit dem "Chaga" gegurgelt oder Dampf inhaliert werden. Gute Ergebnisse erzielt man damit auch bei der Behandlung von Parodontose (Zahnfleischentzündungen). Innerlich hilft er bei entzündlichen Erkrankungen von Leber und Milz, des Weiteren bei Erkrankungen des lymphatischen Systems. Die entzündungshemmende und schmerzlindernden Eigenschaften konnte Park et al. (2005) zeigen. Van et al. (2009) machte diesbezügliche Versuche mit Zellen von Mäusen. Der pilz stärkt das Zentralnervensystem und wirkt entspannend und schlaffördernd. Die Einnahme des Pilzextraktes soll Bluthochdruck senken.
Das wichtigste Einsatzgebiet des Pilzes ist aber sein Einsatz bei Krebserkrankungen, beispielsweise Lungen und Hautkrebs. Als besonders wirksam gilt der Pilz aber bei Krebserkrankungen des Magen und Darmtraktes und der weissen Blutkörperchen (Hodgkin-Lymphom). Erwartungsgemäß werden die ersten Ergebnisse im Frühstadium der Erkrankung erzielt. Bei weiter fortgeschrittenen Erkrankungen kann die Einnahme des Pilzes das Krebswachstum verlangsamen und zu einer Schmerzlinderung führen. Außerdem verbessert die Verwendung die Allgemeinverfassung des Patienten, beispielsweise nach der chirurgischen Tumor Entfernung und lindert die Nebenwirkung einer konventionellen Chemotherapie. Mit Billigung des Arztes kann und sollte die Einnahme des Pilzes auch in Kombination mit einer Chemotherapie erfolgen.
Während der Behandlung mit dem Pilz sollte auf den Verzehr von Fleischerzeugnissen, fetten Speisen, Konserven und geräucherten Produkten verzichtet werden. Natürlich ist auch der "Chaga" kein Wundermittel gegen Krebserkrankungen! Allerdings sind die Erfahrungen damit durchaus positiv und es verwundert nicht, das Moskauer Akademie der Medizin Wissenschaften den Pilz zur begleitenden Behandlung verschiedener Krebserkrankungen empfiehlt.
In Gebieten, in denen der Konsum des Pilzes auch zur Vorbeugung gebräuchlich ist, zeigen die verfügbaren Sttistiken erniedrigte Krebserkrankungsraten. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe wissenschaftlicher Untersuchungen an Krebszellen, die die krebshemmende Wirkung des Pilzes und darraus hergestellter Extrakte zeigen. (Shashkina et al. 2006). 
Eine Vielzahl von Untersuchungen zeigt die starken antioxidativen Eigenschaften des "Chaga" (Du et al. 2013). Dise sollen um ein vielfaches größer sein als beim glänzenden Lackporling (Ganoderma lucidum) und Raupenpilz (Cordyceps sinensis) oder bei bekannter Maßen stark antioxidativen Nahrungsmitteln wie Goji -oder Heidelbeeren (Lycium barbarum, Vaccinium myrtillus). 
Für die stark antioxidative Wirkung soll das Enzym Superoxid-Ismutase (SOD) maßgeblich verantwortlich sein. Das Enzym wird von allen Lebewesen gebildet und verwandelt hochreaktive Superoxid - Anionen in Wasserstoffperoxid. Allerdings finden sich keine Publikationen, die den hohen Gehalt bzw. die hohe Aktivität von SOD im "Chaga" untermauern. Die Angaben, nach dem die Aktivität des "Chagas" bei 35000 U/g (zum Vergleich : Reishi-Ganoderma lucidum 1400 U/g) liegen sollen, gehen auf Laboruntersuchungen im Auftrag der Dove HEALTH Alines zurück. Allerdings findet man unter diesen Stichpunkt keine Angaben. 
Aus der im Wasser eingeweichten Asche verbrannter Fruchtkörper kann eine reinigende und desinfizierende Waschlösung hergestellt werden. Sie wurde insbesondere für Waschungen des Genitalbereiches im Verlauf der Monatsblutung oder nach der Geburt und zur Reinigung des Neugeborenen verwendet. Die diesbezügliche Verwendung der Asche vom Porlingsfruchtkörper
wird auch von anderen Pilzarten erwähnt. Das getrocknete Pilzpulver wurde früher auf Schirfwunden und Schnitte gegeben, um eidrige Entzündungen zu verhindern. Die Verwendung der mineralstoffreichen und basischwirkenden Asche ist durchaus plausibel. 1989 publizierte Maret Sar einen Bericht über die medizinische Nutzung des "Chaga" bei den Ostiaken (Khanty) einer indigenen Volksgruppe Westsibiriens. Sie nutzten den Pilz als Tee (3 TL des Pilzes auf 2,5l Wasser einige Minuten kochen lassen) zur Behandlung von Eingeweidewürmern, zur Ausscheidung von Giftstoffen, bei Herz und Lebererkrankungen, bei Tuberkulose und Erkrankungen des Magen Darm Traktes. Die Verwendung des Pilzaufgußes als Waschlösung erfolgt wie oben beschrieben. Auf Grundlage der snimistischen, also sprituell-religiösen Weltanschauung der Ureinwohner, nach der alle Naturerscheinungen beseelt sind, vertreibt der Rauch des Pilzes Krankheiten und Tod. Möglicherweise wurde der Pilz von Ihnen außerdem als Schnupfpulver verwendet. Damit dieses in der Nase bleibt, verstopften sie diese mit Pflanzenfasern. Allerdings fehlen Hinweise zu diesbezüglichen Indikationsgebieten. Der Chagapilz ist über einen weiten Dosisbereich ungiftig und wird gut vertragen. Trotz seiner Jahrhunderte langen Verwendung gibt es bisher keine Gegenanzeigen für seine medizinische Verwendung. Die russische Wissenschaftlerin Lazovskaya (1959) konnte bei Tierversuchen mit verschiedenen Tierarten, den hohe Dosen des Pilzextraktes über die Nahrung verabreicht wurden, seine gute Verträglichkeit selbst bei mehr monatiger Anwendung (5-6 Monate) zeigen. Dabei wurden Mengen von bis zu 1 g/kg Körpergewicht eingesetzt. Aufgereinigter Pilzextrakt wurde sogar bis zu 5fachen der für den Mwenschen empfohlenen Menge Kaninchen in die Blutbahn injiziert, ohne das Vergiftungserscheinungen auftraten. Die sichere Anwendung von Chaga-Präparaten in therapeutischen Dosen zeigen mehrjährige Studien in russischen Kliniken bei Patienten mit Magengeschwüren und schweren Krebserkrankungen.
Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Wirkstudien mit dem "Chaga" entstanden in den letzten 50 Jahren in der Sovjet Union und wurden in russischer Sprache publiziert. Rasina untersuchte im Jahre 2002 in Rußland an Hand von Tierversuchen den Einfluß des Pilzextraktes auf Schäden durch radioaktive Strahlung. Dabei konnte gezeigt werden, das der Pilz aufgrund seiner adaptogenen, also ausgleichenden Wirkung eine deutliche Schutzwirkung ausübt und strahleninduzierte Schäden reduziert. Erstaunlicherweise gibt es etliche Befunde zb. bezüglich der Herzleistung, nach denen eine Wirkungssteigerung bis zu einem Optimum nur in einem eher niedrigen Dosisbereich zu verzeichnen ist
Eine weitere Steigerung der Dosis führt schließlich zu einer Wirkungsabnahme.
Kutalek (2002) beschreibt die Anwendung glimmender Pizstückchen gegen Rheuma. Diese wurden offenbar mit der nicht glimmenden Seite auf betroffene Stellen gelegt und solange dort belassen, bis auf der Haut eine deutliche Hitzewirkung (Brandblase) sichtbar war. Die Autorin benennt den verwendeten Pilz als "Chaga". Sie bezeichnet den Pilz aber unserer Meinung nach fälschlich als Birkenporling (Fomitopsis betulina). Erstens ist der Birkenporling der deutlich schlechtere Zunder und Zweitens ist der Schiefe Schillerporling unter dem vorgenannten Namen in Sibirien durchaus geläufig.
Obwohl der Pilz auf etlichen Baumarten vorkommt, gibt es Hinweise darauf, das Exemplare, die auf der Birke wachsen und im Herbst oder Frühjahr geerntet wurden, am heilkräftigsten sind. Der Pilz reichert offenbar eine Vielzahl medizinisch interessanter Inhaltsstoffe von seinem Wirt in sich an.
Sein Verwandter der Strahlige Schillerporling oder Erlenporling (Inonotus radiatus)bevorzugt feuchte Standorte an geschwächten Laubbäumen, Stümpfen, vorallem auf Erle, Birke und Hasel. Der Pilz enthält unteranderem Triterpene und Sterole mit der Hauptkomponente Ergosterolperoxid. Ergosterolperoxid wirkt antioxidativ, immunsuppresiv, zellwachstumshemmend und hemmt die Virenvermehrung. Vor allem Kahlos et al. beschäftigten sich in den 1990er Jahren intensiv mit Inhaltsstoffen und Anwendungsmöglichkeiten des Pilzes.
Ein weiterer Verwandter von ihm ist der Zottige Schillerporling (Inonotus hispidus), der pilz enthält eine Reihe von Hispidinabkömmlingen, die den Styrolpyronen zugerechnet werden. Hispidin wurde zuerst aus dem Zottigen Schillerporling isoliert. Es kommt dort in Mengen bis zu 7% bezogen auf die Trockenmasse vor. Die Bildung dieser farbigen Verbindung ist Licht abhängig.
Hispidin wirkt antiviral & krebswachstumshemmend (Gonindard et al. 1997)
Awadh et al. zeigten die antivirale Wirkung von Hispidin und Hispolon, ein Kaffesaäurederivat, gegenüber Grippeviren (Influenza Typ A&B). Chang et al. wiesen 2011 die schmerz - und entzündungshemmende Wirkung von Hispolon nach. Außerdem enthält der Pilz Ergosterol und Eboricolsäure. 
In Japan wird der Zottige Schillerporling als "Gelächterpilz" bezeichnet.
Noch ist nicht geklärt, ob dieser Name einen Hinweis auf eine entsprechende Wirkung gibt. Es ist aber interessant, das Hispidin dem Kavain aus dem Rauschpfeffer (Piper methysticum) stark ähnlich ist.
Quelle : Jürgen Guthmann, aus dem Buch : Heilende Pilze