Einführung

Er ist der Verwandte des mit bekanntesten Heilpilzes, dem "Reishi" (Ganoderma lucidum), der ein Hilfsmittel auf vielerlei Ebenen für medizinischen Anwedung ist. Nach der (TCM) Traditionell Cinesischen Medizin gilt er als Garant für ein langes Leben und stärkt die universelle Lebensenergie (Chi oder Qi). In ganz Asien wird er seit Jahrtausenden überaus geschätzt und genießt neben seiner medizinischen Wertschätzung auch als Glückssymbol hohes Ansehen. Aus diesem Grund wird er oft angebildet und ziert Teppiche, Möbel und chinesisches Porzellan. Über dem Türstock aufgehängt, sollte er das Haus vor allerlei Übel schützen. Selbst das Zepter des chinesischen Kaisers war mit einem geschnitzen Lackporling bestückt. In Japan bezeichnet man den Pilz als Reishi Verwandten.
Auch im Orient wusste man schon seit Alters her um seine gesundheitsstärkende Wirkung und verwendete die Fruchtkörper als Talisman. 

Medizinische Verwendung

Der Flache Lackporling (Ganoderma applanatum) ist eng verwandt mit dem glänzenden Lackporling (Ganoderma lucidum) und ruft wie dieser in seinem Wirtsbaum eine Weißfäule hervor.
In der Traditionell Chinesischen Medizin (TCM) wird er Flache Lackporling bei Erkältungen, Schmerzen, zur Immunmodulation und zur einer unterstützenden Behandlung weiteren Erkrankungen inklusive Krebs eingesetzt. Außerdem nutzt sie seine antibiotischen Wirkungen. Die Zahl reicht aber im Weiten nicht an seinen Berühmten Verwandten heran. Offenbar wurde der Pilz zusammen mit dem Glänzendem Lackporling in Indien in der Gegend um Poona unter dem Namen "Phanas alombe" verwendet (Vaidya 1991). Man bereitete daraus eine blutstillende Paste, die auch bei übermäßigen Speichelfluß und bei Entzündungen im Mundbereich helfen soll. Es darf allerdings nicht unerwähnt bleiben, dass in anderen Landesteilen offenbar eine ganze Reihe von weiteren Pilzarten, insbesondere Phellinus spp. unter dem Namen "Phanasomba" eingesetzt werden. Pilze wurden lange Zeit nur wenig untersucht und das Wissen über ihre Inhaltsstoffe war eher dürftig. Mit der zunehmenden Internationalisierung der Forschung rücken sie nun zunehmend ins Zentrum des
wissenschaftlichen Interesses. Mittlerweile gibt es auch über den Flachen Lackporling zahlreiche Publikationen, die auch auf Ebene der Inhaltsstoffe die Verwandschaft mit dem Glänzeden Lackporling unterstreichen.
Der Pilz enthält eine fast unüberschaubare Zahl an, Triterpenen vom Lanustantyp. Zahlreiche dieser Verbindungen zeigen medizinische Wirkungen.
Beispielweise senken die Ganodersäuren die Cholesterolsynthese. Ablanoxidinsäuren hemmen im Tierversuch Hautkrebs und wirken tumorwachstumshemmend (Chairul et al. 1991). Ganodersäure A & C hemmen das Enzym Farnesyl Protein Tranferase, einen wichtigen Ansatzpunkt zur Behandlung von Krebserkrankungen (Lie et al. 1998). 
Charirul et al. (1991, 1994) konnten zeigen, das die Lanostane (C30) die zellulären Veränderungen in Hautkrebszellen von Mäusen günstig beeinflussen.
Mit der antibakteriellen Wirkung der Steroidverbindungen befassten sich Smania et al. (1999). In dieser Hinsicht interessant sind auch die Arrbeiten von Moradali et al. (2004) und Musin et al. (2011). Letztere isolierten Inhaltsstoffe, die gegen Staphylococcus aureus wirksam sind. Einige Publikationen deuten auch auf eine antivirale Wirkung des Pilzes (Kandefer-Szerszen et al. 1979 Eo et al. 2001) hin. Bei Untersuchungen fand man herraus, das sich die Steroide von vorwiegend in der Kruste befinden, wohingegen komplexe Triterpene im innern der Fruchtkörper zu finden sind. Boh et al. (2004) fanden heraus, dass die höchsten Gehalte an Triterpensäuren in der Röhrenschicht und der dunklen Rindenschicht junger Fruchtkörper zu erwarten ist.
Offenbar sind an der Antitumorwirkung bei Brust -und Prosatakrebs nicht nur die Triterpenoide maßgeblich, sondern auch ei nganzes Arsenal an speziellen Kohlenhydraten (Zuckerverbindungen), zb.Beta Clukane, Hetero Clukane, Peptido Glukane und Fungugalaktan sind beteiligt. Sasaki et al. (1971) & Usui et al. (1983) beschäftigten sich mit der tumorwachstumshemmenden Wirkung der enthaltenen Polysaccaride. Im engen Zusammenhang dazu stehen auch die immunstärkenden Eigenschaften des Pilzes (Gao et al. 1991, Cheong et al. 2008)
Es gibt Hinweise, dass sich der Pilz und die Wirkstoffe aus der Flüssigkultur außerdem zur Behandlung der Zuckerkrankheit und bei erhöten Cholesterinwerten eignen (Yang et al. 2007). Er senkt nicht nur einen erhöten Blutzuckerspiegel, sondern wirkt auch einer ganzen Reihe damit zusammenhängender Folgeschäden entgegen. Eine im Zusammenhang mit erhöten Blutzuckerwerten günstige Wirkung konnten Lee et al. (2005) und Jung et al. (2005) nachweisen. Sie untersuchten die Hemmwirkung des Methanolextraktes aus dem Pilz auf das Enzym Aldose-Reduktase.
Das Enzym wandelt Glukose in Sorbit um. Beim Vorliegen einer Zuckererkrankung kommt es durch die Aktivität des Enzyms zur Ansammlung von Sorbit in den Nieren, den Augenlinsen und den Nerven, was über längere Zeiträume zu Schäden führt. Aus diesem Grund wird intensiv nach Stoffen geforscht, die dieses Enzym hemmen.
In einer chinesischen Studie konnte ermittelt werden, das der Flache Lackporling ähnlich positive Resultate bei der Behandlung von chronischen Lebererkrankungen (Hepatitis B) und der Nachbehandlung einer Leberzerose zeigt, wie der Raupenpilz (Cordyceps sinensis) (Yang et al. 1994).
Aus dem Flachen Lackporling lässt sich ein ätherisches Öl gewinnen (Ziegenbein 2006). Dieses besteht aus einer Mischung verschiedener flüchtiger Alkohole, Aldyhyde, Ketone & Terpene. Die Hauptkomponenten sind 1-Okten 3-Ol, Phenyazetadaldehyd, 2, 4 - Decadienal, 2 - Octenal und 2 - Nonenal.
Die speziellen Enzyme, mit denen der Pilz komplex aufgebaute Verbindungen wie Lignin abbaut, sind auch technologisch interessant. Gezüchtetes Pilzmaterial besitzt ein außergewöhnliches Absortionsvermögen für das Schwermetal Kadnium (Gabriel et al. 1994). Möglicherweise lässt sich diese Eigenschaft zur Aufreinigung belasteter Abwässer nutzen.
Der Rauch, der bei verbrennen des Pilzes entsteht, soll Moskitos und andere fliegende Plagegeister vertreiben.
Quelle : Jürgen Guthmann, aus dem Buch : Heilende Pilze