Einführung

Der Echte Zunderschwamm gehört zu den Pilzen, die für unsere Vorfahren eine bedeutende Rolle spielten. Der häufige Pilz liefert Zunder und diente damit zur Gewinnung und den Erhalt des lebenswichtigen Feuers. 
Mittlerweile rückt der Pilz wegen seiner medizinischen und technologisch interessanten Inhaltsstoffe wieder zunehmend ins Blickfeld der modernen Wissenschaft.

Medizinische Verwendung

Neben seiner allgemein bekannten, technischen Anwendung als Zunder spielte der Zunderschwamm lange Zeit eine wichtige Rolle als blutstillende Wundauflage zum Schutz vor Infektionen. Dafür kann auch das pulverisierte Material verwendet werden. Die diesbezüglichen Verwendungen werden weltweit beschrieben. Die feinsten und entsprechend sauber verarbeiteten Stücke des Pilzmaterials konnte man früher in der Apotheke unter der Bezeichnung Fungus igniarius, Fungus chirurgorum oder Agarius chirurgorum erstehen. Solcherart verarbeitet verwendete man den Pilz als Temponade in der Zahnheilkunde, in der Gynäkologie und zur Behandlung äußerlicher Entzündungen und Hämorrhoiden. Interessant ist auch ei nHinweis von Rätsch (2010), nach dem Zunderschwammstücke auf Grund ihrer antimikrobiellen Wirkung zur Vermeidung von Körpergerüchen eingesetzt wurde. Die medizinische Anwendung des Pilzes ist vermutlich bereits sehr alt. In alten Aufzeichnungen wird auch immer wieder sein Einsatz beim "Kauterisieren" also ausbrennen von Wunden beschrieben. Diese überaus schmerzhafte Prozedur diente der Behandlung von infizierten Wunden und zum Stoppen von Blutungen. Mit der entsprechenden Technik und unter adäquater Schmerztherapie bzw. unter Narkose ist die Hitzeverödung von Blutungen noch heute ein gängiges Verfahren der Medizin, vorallem bei chirurgischen Eingriffen. Kleine Pilzstückchen verwendete man außerdem in ähnlicher Weise wie den Beifuß (Artemisia vulgaris) zur Moxibustion. Dabei werden Akupunkturpunkte normalerweise mit einer brennenden Moxazigarre stimuliert oder kleine brennende Kräterknäuel in zuvor in die Haut gestochene Akupunkturnadeln befestigt, wodurch es zu einer Intensivierung des Heilreizes kommt. Statt der Nadeln oder Moxazigarre wurden auch kleine Pilzstückchen auf die entsprechenden Körperbereiche gelegt. Dabei kommt die Haut nicht in direkten Kontakt mit der Glut. Man nutzte lediglich den intensiven Wärmereiz zur Behandlung verschiedener Erkrankungen
(Athrose, Rheuma). Noch einfacher ist die Anwendung der Zunderlappen als heißer Umschlag. Der Zunderschwamm war früher Teil der traditionellen Arzneibücher (Pharmacopöen) vieler Länder (Deutschland, Ungarn, China, Indien). Die Volksmedizin verwendete den Pilz auch innerlich bei Blasenleiden, schmerzhaften Regelblutungen und zur Behandlung verschiedener Krebserkrankungen. Die TCM setzt ihn bei Lungenerkrankungen, Asthma und Magenverstimmungen ein, außerdem bei Speiseröhren, Magen und Gebärmutterkrebs. In Japan nutzte man den Pilz neben der gängigen äußerlichen Anwendung zur Wundversorgung, innerlich in Form eines Tees zur Behandlung von Erkältungskrankheiten, Grippe, Bronchitis und Schwächezuständen. Offenbar hat die Kochzeit, die von wenigen Minuten bis zu mehreren Stunden betragen kann, einen Einfluß auf die Wirksamkeit des Pilzsuds. Die Indische Volksmedizin schreibt der innerlichen Einnahme des Pilzes wassertreibende, abführende und nervenstärkende Wirkung zu. Nach Recherchen von Zsigmond (2005) wurde der Zunderschwamm in verschiedenen Gebieten Ungarns auch zur Blutstillung und Wundbehandlung verwendet.
Im Osten von Siebenbürgern soll die Verwendung als Verbandsmaterial sogar heute noch durchaus gebräuchlich sein. Im ungarischen Corund kommen Auflagen aus dem Zunderschwamm bei Ekzemen und Blutungen zum Einsatz.
Das tragen aus Zunderlappen angefertigten Kappen soll Kopfschmerz lindern und vorbeugend wirken. Durch so eine Kopfbedeckung wird auf sehr angenehme Weise Schweißbildung und Überhitzung des Kopfes vermieden. Im ungarischen Verwaltungsgebiet (Komitat) Neutra (Nyitra) und in der Südslowakei wird eine Zunderrezeptur zur Behandlung von Magenschleimhautentzündung genutzt.
Außerdem spricht man dem Rauch des glimmenden Zunders direkt über der Nase inhaliert, günstige Wirkung bei Lämmungen und Folgeerscheinungen von Gehirnblutungen (Schlaganfällen) zu. Es gibt Erfahrungsberichte, nach denen die mehrwöchige tägliche äußerliche Einwirkungen des Zunderrauches auf Entzündungen, Ekzeme oder Hämorrhoiden positive Wirkung zeigte.
Offenbar nutzte man fein pulverisiertes und veraschtes Material aus dem Zunderschwamm als Schnupfpulver. Dieser Gebrauch ist auch in weiten Teilen Europas, Sibiriens und Teilen Nordamerikas überliefert. Leider geben die Quellen keine Hinweise auf eventuelle Indikationen. Es fehlen auch Hinweise, 
ob dem Pulver auch weitere Ingredienzien oder Kräuter beigemischt wurden.
Aus Kamtschatka existiert der Hinweis, das die Asche des Pilzes als Schmerzmittel eingesetzt wurde (Berg 1946, Wasson 1968).
Inzwischen werden die Hinweise aus der Vergangenheit wieder zunehmend aufgegriffen. So werden beispielsweise im Forschungslabor BIOPOL (W.Rühle) aus dem Pilz spezielle Hohlfaserkomplexe, die aus Polysaccariden bestehen, 
gewonnen, die sich hervorragend zur Wundversorgung eignen. Wahrscheinlich führen sie außerdem zu einer lokalen Stimmulierung des Immunsystems.
Neben ihrem medizinischen Einsatz kann auch ihr Asortionsvermögen für Schwermetalletechnologisch genutzt werden. Nach Angaben der Hersteller liegt der Chitingehalt im unverarbeiteten Zunderschwamm bei 10% der Gehalt an Melanin ca 20%. Der Gehalt von Chitin und Glucan mit 10 bzw. 46% wurden analystisch bestätigt ( Wetzel 2014). Dasselbe gilt für die spezielle Bindungsform der Beta-D-Glucane (Lindequist 2014). Auf Grundlage von Rühles Forschungen wird derzeit ein hinsichtlich des Herstellungsprozesses leicht modefiziertes Produkt unter dem Namen "Bioglucanex" vertrieben. Vom Ursprungsmaterial unterscheidet es sich durch eine abweichende Oberflächenbeschaffenheit und eine geringe Schüttdichte. "Bioglucanex" wird bereits als wirksamer Bestandteil hautpflegender Kosmetika eingesetzt (www.zunderschwamm.net). Inzwischen liegen dazu auch Laboruntersuchungen mit Keratinozyten und Fibroblasen vor, die den positiven Einfluß des Materials auf Wundheilung und Hautregeneration
nach Irritation durch UV-A-/UV-B-haltiges Licht bestätigen. Die pulverförmigen Produkte aus dem Zunderschwamm bestehen aus unlöslichen Glucanfasern, die für Wundverbände, als Pulver zur Wundversorgung, aber auch innerlich wirksam sind und zusätzlich mit Wirkstoffen beaufschlagt werden könnten. Ein pharmakologischer Einsatz zum Beispiel mit anderen Wirkstoffen bespielweise zur Behandlung des Magengeschwürs wird ebenfalls diskutiert. Für ein Mittel zur begleitenden Krebstherapie bei Tumoren von Magen und Darm gibt es bereits eine Patentanmeldung. Bereits getestet wurde ebenso der Einsatz in Hygieneartikeln oder gar die Nutzung in Textilien bei Menschen mit empfindlicher Haut. Erfahrung hierzu liegen durch erste klinische Anwendungen in der Geriatrie (Klinik Berlin - Buch) vor. Vor allem bei kranken und immobilen Patienten spielt das Problem des Wundliegens und Inkontinenz eine wichtige Rolle. Daraus resultierende Wunden heilen aus verschiedenen Gründen schlecht. Zur Behandlung wurden sterile Wundabdeckungen, die mit dem Material beaufschlagt waren, eingesetzt. Dabei zeigte sich neben einer hohen Saugfähigkeit auch eine beschleunigte Wundheilungstendenz. Hervorragende Noten wurden auch den geruchsbindenden Eigenschaften des Materials ausgestellt. Das pulverförmige Material wirkt außerdem antimikrobiell.
Zusammen mit seinen absorbierenden Eigenschaften sorgt es für einen schnellen Wundverschluß und verwächst schließlich mit der Wunde. 
Eine weitere wichtige Eigenschaft der Inhaltsstoffe ist ihre Wirkung gegen Hautmykosen durch Erreger Candida albicans, die zunehmend eine Rolle, bei immungeschwächten Personen, spielen. Seit Jahren weis man um die Wirkung spezieller Polysaccaride aus dem Pilz. Sie wirken immunstimmulierend und hemmen das Wachstum von Tumorzellen. Darüber hinaus verfügen sie über entzündungshemmende Eigenschaften und senken den Blutzucker & Cholesterin-
spiegel. Letztere Wirkung erfolgt durch Bindung der Beta-Glucane an Gallensäuren, die dadurch verstärkt ausgeschieden werden. Ein Teil der hochmolekularen Polysaccaride wird durch Bakterien aus der Darmflora zu niedrigen Fettsäuren abgebaut, die vom Darm resorbiert werden.
Als Ballaststoffe bewirken sie eine verkürzte Darmpassage und verringern durch ihren Sättigungseffekt die Energiezuvor. Neben Pilzen enthalten auch Gerste, Hafer und weitere Getreidearten Beta Glucane. Aus Gründen der Vollständigkeit soll hier auf einen weiteren Glucan/Melanin/Chitin-Komplex hingewiesen werden, der nach Angabe des Herstellers ebenfalls auf dem Underschwamm basiert. Dabei handelt es sich um den sogenannten "GFP-Komplex" (Good Feeling Products). Er kann eingenommen werden und wird auch in Form kosmetischer Produkte angeboten. Das Grundprodukt ist ein dunkles Pulver, dass in Wasser aufschwemmbar ist und getrunken werden kann. Auf Grund seiner Inhaltsstoffe (Glucane/Chitin/Melanin) ist ein positiver Einfluß auf die Gesundheit wahrscheinlich. Die Produkte werden über das Internet vertrieben.
Zehn Jahre später im Jahr 2011 publizieren Senyuk, Gorovoj & Andere einen Artikel, in dem sie unteranderem 2 Komplexe, die sie aus dem Zunderschwamm gewonnen hatten erwähnen. Die von ihnen gemachten Angaben lauten für den wasserlöslichen Komplex, den sie als MGC bezeichen, für den wasserunlöslichen Komplex mit der Bezeichnung ChGMC. Beide Formulierungen untersuchten sie hinsichtlich ihrer Wirkung gegen Mikroorganismen (Pilze, Bakterie) & Viren. Dabei stellten sie fest, dass MGC sehr effektiv das Wachstum von Candida albicans, Heliobacter pylori hemmt und eine hohe anti-HIV-Aktivität besitzt.
Ähnliche Resultate konnten sie für ChGMC feststellen. Gegenüber Blutzellen konnte hingegen keinerlei toxsche Wirkung festgestellt werden. In dieser Publikation wird für keine der beiden Formulierungen die Bezeichnung Mycoton verwendet. Die oben angegeben Werte, insbesondere das Chitin betreffend, werfen eine Reihe von Fragen auf. Solch hohe Werte widersprechen allen vorliegenden Ergebnissen und kommen in Großpilzen bzw. deren Zellwänden nicht vor. Bezüglich der Melaningehalte verweisen wir auf die Ausführung weiter oben. Der Methal-Extrakt des Zunderschwamms wirkt antibakteriell und hemmt deutlich das Wachstum des gefährlichen Krankenhauskeimes Pseudomonas aeruginosa und von Seratia marcescens, einem Bakterium, dass ebenfals zunehmend Schierigkeiten im Klinikbetrieb bereitet (Suay et al. 2000).
Nach einer Patentschrift von 1991 (Sakagami et al.) soll ein im Pilz enthaltenes Lignan das Wachstum des Herpesvirus vollständig hemmen. Offenbar enthält der Pilz noch weitere bisher unbekannte antivirale Stoffe. Aoki et al. (1993) wies nach, dass die Behandlung von Pflanzen mit dem Myzelfilltrat zu einem vollständigem Schutz vor dem Befall mit dem Tabakmosaik Virus führt. Park (2004) konnte die entzündungshemmende und schmerzlindernde Wirkung des Methanolextraktes zeigen und die zugrunde liegenden Wirkmechanismen aufklären. Die im Extrakt enthaltenen Stoffe hemmen Enzyme, wie die induzierbare Form der Stickstoffoxidsynthase und die Cyclooxiginase-2, die die Bildung von Entzündungsmediatoren (Prostagandinen & Stickoxiden) bewirken.
Untersuchungen von Lee (2005) mit Ratten, bei denen Diabetes mittels Strebtozotocin ausgelöst wurde, weisen auf einen Blutzucker-und cholesterinsenkenden Effekt des Wasserextraktes hin.
Strebtozotocin ist eine giftige chemische Verbindung, die relativ spezifisch die Produktion von Insulin in den LangerHans´schen Zellen der Bauchspeicheldrüse unterbindet. Die Substanz wird in der Diabetes Forschung am Termodel häufig zum auslösen eines Diabetes Melitus eingesetzt. 
Ito et al. isolierten 1976 Polysaccaride mit antitumor Wirkung aus dem Pilz.
Chen et al (2008) fanden in der Flüssigkultur des Myzel ein in therapeutischen Dosen ungiftiges Exo-Polysaccarid und wiesen seine wachstumshemmenden Effekte auf menschliche Magenkrebszellen nach. Durch Optimierung der Wachstumsbedingungen konnten sie dessen Produktion um ein vielfaches steigern. Außerdem zeigten sie, dass es bei kombinierter Anwendung die Wirksamkeit des Zytostatikums Doxorubicin steigert.
Doxorubicin ist ein Chemotherapeutikum es wirkt auf das Erbmolekül DNA, indem es sich in die "Sprossen" des komplexaufgebauten Moleküls schiebt.
Dadurch verändert sich dessen Raumstruktur und als Folge werden die Funktionen des Erbmoleküls und dessen Vervielfältigung gestört.
Letzendlich wird damit die Zellvermehrung unterbunden.
Bei Versuchen mit Mäusen zeigten Gao et al. (2009) die immunmodulierende Wirkung der im Zunderschwamm enthaltenen Polysaccaride.
Mittlerweile sind der Pilz oder daraus hergestellte Extrakte auch komerziell erhältlich. Da der Pilz in alten Baumbeständen sehr häufig und zudem durchsetzungsstark ist, kann der Bedarf direkt aus Wildsammlungen gedeckt werden. Seine Zucht auf geeignetem Substrat sollte bei Bedarf ebenfalls problemslos möglich sein.
Quelle : Jürgen Guthmann, aus dem Buch : Heilende Pilze